Ich habe eine Chance:

Ein Mädchen von der Müllkippe Millpillas in Mexiko berichtet von ihrem Erfolg in der Schule.

Das Potential ist da! „Ich bin stolz auf meinen Abschluss“ Ein Bericht von Leticia Bernal Aguilar, Studentin Übersetzt von Bruni Rodriguez UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN Mexiko

Mein Name ist Leticia Bernal Aguilar. Ich bin am 2. Dezember 1982 in Cuernavaca, Morelos, in Mexiko geboren. Ich habe einen Bruder und fünf Schwestern. Mein Vater ist Maurer und seinen Lohn gibt er für Alkohol und Frauen aus. Ich erinnere mich daran, daß er meine Mutter schlug, wenn er nach Hause kam. Als sie meinen Vater kennen lernte, war er verwitwet und hatte Kinder. Meine Mutter hat stets hart gearbeitet und darum gekämpft uns Kinder durchzubringen. Sie wollte immer das Beste für uns. Als ich fünf Jahre alt war, ließ sie sich von meinem Vater scheiden und hat nicht wieder geheiratet.

Der Ort, wo ich wohne, ist alles andere als hygienisch. Es ist eine Müllhalde, aus der wir wiederverwertbaren Müll heraussuchen. Davon leben wir. Wir, das sind meine Mutter, zwei meiner Schwestern und ich. Als wir das Angebot bekamen, die Schule von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN zu besuchen, war ich sehr glücklich, denn alle anderen Schulen waren weit entfernt. Ich nahm das Angebot an, weil ich mir immer gewünscht hatte, die Oberschule zu besuchen, um einen Beruf zu bekommen, mit dem ich meine Mutter unterstützen kann. 1999 kam ich bei UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN in die dritte Klasse der Mittelstufe. Mein erster Schultag war großartig: Ich war ein bisschen nervös, weil ich niemanden kannte, aber nach und nach begannen die Jungen und Mädchen aus der Klasse, mit mir zu reden und mir zu helfen. Jetzt habe ich die Oberstufe abgeschlossen, und zwei meiner Schwestern gehen ebenfalls bei UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN zur Schule. Estela in die Mittelstufe und Sandra in die Oberstufe.

Ich habe bei UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN viel gelernt und dazu gehört auch, das zu schätzen, was ich habe. Ich bin sehr stolz darauf, diesen Schulabschluß erreicht zu haben. Das war mein großer Traum, der nun wahr geworden ist. Zur Zeit leiste ich mein Dienstjahr in der Heimfamilie und betreue die Kinder der mittleren Altersgruppe. Sie sind acht bis zehn Jahre alt und gehen in die dritte oder vierte Klasse. Ich bin sehr froh, zu UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN zu gehören. Hier habe ich viele Freunde, und die Kinder mögen mich sehr. Ich würde gerne weiter lernen, am liebsten Medizin studieren. Da ich sehr gerne mit Kindern arbeite, wäre Kinderärztin mein Traumberuf. Ich hoffe, daß ich es schaffen kann, weil ich meiner Mutter und meinen Schwestern helfen möchte. Vielleicht habe ich in zehn Jahren ein gesichertes Leben, mit harter Arbeit - aber ohne Geldsorgen. Ich wünsche mir auch das Beste für meine Familie, und daher ist ein weiteres Ziel, meine Familie von der Müllkippe zu holen. Eines der schlimmsten Dinge dort ist, daß es keine Entwässerung gibt. Das war also mein bisheriges Leben. Ich kann sagen, daß UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN eine Einrichtung ist, in der es keine Diskriminierung gibt. Wie gut ist es, daß sie uns hier aufnehmen, weil sie dadurch vielen von uns eine Chance auf ein besseres Leben geben, die wir so nötig brauchen. Meine Familie macht mir Mut weiterzumachen, auch wenn wir uns dann nicht mehr so oft sehen werden. Zum Schluß möchte ich noch sagen, daß ich sehr gerne hier bin und VIELEN DANK an alle Menschen, die UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN dabei helfen, uns zu helfen. Vielen Dank!