Trinkwasser ist in Haiti blaues Gold
Für Menschen in westlichen Kulturkreisen ist der Zugang zu sauberem Wasser selbstverständlich. Ganz anders in vielen Staaten der Dritten Welt. In Haiti beispielsweise, einem der ärmsten Länder der Welt, haben Millionen von Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Das Erdbeben vom 12. Januar hat die Situation noch einmal dramatisch verschärft. Bereits vor dem Beben musste die Bevölkerung Wasser kaufen. Heute muss ein Haitianer für knapp 19 Liter Wasser mehr als 4,50 Euro bezahlen. Da mehr als 50 Prozent der Bevölkerung in Armut lebt und mit weniger als einem Euro pro Tag auskommen muss, ist Wasser für viele ein unerschwinglicher Luxus. Das international tätige Hilfswerk „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ lieferte bereits vor dem Erdbeben im Rahmen des Sankt Lukas Nachbarschaftsprogramms täglich rund 80.000 Liter sauberes Wasser in die Slums von Port-au-Prince. Seit dem Erdbeben sind es rund 136.000 Liter pro Tag.
Der Weg des Wassers zu den durstigen Menschen
Gegen 8:00 Uhr haitianischer Zeit verlassen ein Fahrer und zwei Mitarbeiter von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ das Krankenhausgelände des Kinderhilfswerks. Dort waren nach dem Erdbeben zeitweise bis zu 500 Verletzte täglich behandelt worden. Mit einem Tanklastzug, der rund 11.000 Liter Wasser fasst, fahren die Mitarbeiter zur Wasserquelle.

Mit einem Tanklastwagen werden regelmäßig Wasserlieferungen in die Slums gebracht.
Meist ist die Schlange sehr lang, dann heißt es geduldig warten, oft mehr als eine Stunde. Das Auftanken dauert nur zehn Minuten.

Tanklastwagen werden an einer öffentlichen Befüllstation befüllt.
Alle Wasserlieferungen gehen in die Slums von Port-au-Prince. Einige davon nach Wharf Jeremie, einen der gefährlichsten Slums der Welt. Er liegt in Cité Soleil – übersetzt heißt das Sonnenstadt – die doch so wenig Wärme bietet. Vielmehr ist Cité Soleil das Elendsviertel von Port-au-Prince, in dem bis vor dem Beben Hunderttausende in bitterster Armut lebten. Das Wenige, das die Menschen besaßen, nahm ihnen das Erdbeben. Trotz hoher Kriminalitätsrate fühlen sich die Mitarbeiter von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ in den Slums weitgehend sicher. Die Hilfsorganisation ist in Haiti bekannt für ihr soziales Engagement und ihren Mitarbeitern wird eine hohe Wertschätzung entgegengebracht. In Cité Soleil warten die Menschen bereits auf das kostenlose Wasser. Um schnell zu den Menschen zu gelangen, fährt der Tanklastzug auch durch enge Gassen und unwegsames Gelände.
Geordnete Wasserverteilung erleichtert die Arbeit
„Wasser, Sankt Lukas ist da, Wasser, Wasser“, ruft ein kleiner Junge, der den Lastwagen von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ mit dem einprägsamen Logo erspäht. Nach diesem Hinweis des Kindes dauert es keine fünf Minuten bis sich hunderte von Erwachsenen und Kinder beim Wassertanklastwagen einfinden. Jeder von ihnen kennt die Spielregeln. Wer sich nicht in die Schlange stellt, erhält kein Wasser.

Die Menschen warten geduldig in der Schlange bis sie kostenlos Wasser erhalten.
Während ein Mitarbeiter den Wasserhahn bedient, kontrollieren die beiden anderen die Schlange und sorgen für Ruhe und Ordnung, indem sie mit den Menschen reden. Jeder aus der Schlange darf nur zwei Behälter auffüllen. Mit diesem Wasser müssen die Menschen gut haushalten und das bei Temperaturen von derzeit über 30 Grad Celsius. Auf die Frage, ob das Wasser reicht, bis der nächste Transport kommt, antwortet eine Frau: „Natürlich nicht, aber wir sind jedes Mal dankbar, wenn der Transporter kommt. So bleibt uns und den Kindern ein langer Fußmarsch erspart. Das Wasserholen ist einer von unzähligen Kämpfen hier, die wir jeden Tag zu meistern haben.“ Und ein rund 9-jähriges Mädchen schildert ihre Erfahrungen: „Ich lebe bei meiner Tante. Sie ist gerade auf dem Markt. Ich muss dafür sorgen, dass es zu Hause Wasser gibt, sonst muss ich es später sehr weit entfernt holen.“ Wenn das Kind den Wassertanklastzug von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ versäumt, muss es in einem der Nachbarorte nach Wasser fragen. Diese sind mitunter vier bis fünf Kilometer entfernt. Und falls es Wasser gibt, kann es vorkommen, dass das Kind einen 20-Liter-Behälter den ganzen Weg zurück tragen muss. Wenn es kein Wasser gibt, was auch häufig vorkommt, muss das kleine Mädchen durstig nach Hause.
Damit die Wasserlieferungen auch weiterhin aufrechterhalten und ausgeweitet werden können, bittet „Unsere kleinen Brüder und Schwestern e.V.“ um Spenden auf das Konto 12.000 bei der Sozialbank Karlsruhe, Bankleitzahl 660 205 00.
oder unter
www.MyGoodShop.org
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