Weltfrauentag: Interview mit einer Haitianerin « MyGoodShop Blog des Online-Spenden-Shop

Kindern Zukunft spenden – direkt, transparent und sicher online spenden für Kinderdörfer in Lateinamerika und der Karibik


08.03.2010

Weltfrauentag: Interview mit einer Haitianerin

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März interviewte ein Mitarbeiter von „UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN E.V.“ eine Frau aus Haiti, die durch das verheerenden Erdbeben vor knapp einem Monat alleinerziehende Mutter geworden ist. Ihr Mann und einer ihrer drei Söhne starben, ein weiterer Sohn wurde schwer verletzt und befindet sich noch immer in unserem Kinderkrankenhaus in Tabarre. In dem Interview vom 1. März spricht Rosana über die neue Situation und die Zukunftsperspektiven ihrer Familie nach der schrecklichen Tragödie.

Rosana Valery und ihr Sohn Rubens

Bis zur Erdbebenskatastrophe am 12. Januar lebte Rosana Valery,  geboren im Jahr 1970, unbeschwert mit ihrer Familie (der Mann und die drei Söhne) im Stadtbezirk Karrfour, südwestlich von Port-au-Prince. Sie beschrieb die Zeit vor dem Erdbeben als zufrieden. „obwohl wir mit knappen Mitteln über die Runde kamen, hatte ich wenigstens eine Familie, das Lächeln meiner Kinder und die Aufmerksamkeit meines Mannes“. 

Innerhalb der Familie herrschte eine mehr oder weniger traditionelle Rollenverteilung. Es lag nicht daran, dass der Mann ihr diese aufzwang, es hat sich mit der Realität so ergeben. Sie fand keinen Job. Ihr Mann ging in einer Fabrik arbeiten, und sie kümmerte sich um die Kinder. Sie war auch gern mit ihnen zusammen.

Und dann kam der 12. Januar  

Ich wünsche mir manchmal, ich hätte das nicht erleben müssen, ich wäre lieber gestorben, aber das ist zu egoistisch gedacht“. Durch die Katastrophe, verliert Rosana Valery ihren Mann und einen ihrer drei Söhne. „Die Leichen befinden sich immer noch unter den Trümmern, es war ein gemietetes Haus. Wir können uns heute immer noch nicht von ihnen verabschieden, ich muss meinen Sohn hier im Krankenhaus beistehen, uns fehlen außerdem  die Mitteln dafür.“.

Seit dem 15. Januar steht Rosana ihrem Sohn Rubens Valery im Krankenhaus zur Seite. Rubens verlor die rechte Hand und seine linke Hand ist schwer verletzt, er kann sie nur noch eingeschränkt bewegen. Vor ihrer Ankunft im Saint Damien, (das ist das Krankenhaus von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN im Tabarre) hatten sie erfolglos Hilfe im staatlichen Krankenhaus gesucht. Der jüngere Sohn (Aphnac, 12 Jahre alt) lebt zurzeit mit einer ehemalige Nachbarin in einem Zeltlager im Port-au-Prince. Er kommt mit der neuen Situation noch nicht klar.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Perspektivlosigkeit ist allgegenwärtig. Ich versuche so gut ich kann für ihn da zu sein, ich will ihn ermutigen und weiß gleichzeitig, dass meine Wünsche nur begrenzt in Erfüllung gehen können. Wir waren auf das Einkommen meines Mannes angewiesen. Er war der Ernährer der Familie. Zurzeit sind wir auf Hilfe von Nachbarn und der NGOs angewiesen.   

Ich mache mir jeden Tag Gedanken darüber, was ich tun kann. Ich bin bereit, jede Arbeit anzunehmen, um meine Kinder zu unterstützen bzw. den Grundbedarf decken zu können  (Nahrung, Kleidung, vielleicht irgendwann ein richtiges Dach über den Kopf).

Meine größte Angst ist, dass mein Sohn auch  seine linke Hand verlieren könnte. Diese befindet sich noch immer in einem kritischen Zustand. Er fragt sich  immer, ob er jemals  wieder schreiben kann. Ihm fehlt sehr die Schule.“

 Was bedeutet es, jetzt ein behindertes Kind zu haben?

„Keine Mutter der Welt wünscht sich in solche Situation zu geraten, es wäre viel leichter für mich, wenn das Kind schon bei der Geburt diese Behinderung gehabt hätte, statt sie erst durch solche Umstände zu erhalten. Die seelischen Schmerzen  sitzen noch tief, sowohl bei mir als auch bei ihm. Manchmal schaffe ich es nicht ihn zu trösten, wenn er seinen Vater vermisst oder die Zeit davor. Dann weint er mehrere Stunden. Früher wollte er Bauingenieur werden, jetzt wünscht er sich nur noch schreiben zu können.

 

Allgemeine Infos zur Rolle der Frau in Haiti:

Es leben durchschnittlich vier bis fünf Kinder in haitianischen Familien. Nicht nur die ökonomischen Umstände begünstigen ein anderes Familienleben hier, auch die kulturellen Hintergründe tragen dazu bei, das klassische Familienbild (Eltern/ Kind) nicht auf die Art und Weise, wie man es in Europa kennt, zu leben. Auch wenn die Großeltern nicht im Haushalt leben, sind andere Familienmitglieder herzlich willkommen. Es gibt  keine erkennbaren traditionellen Trends der Familienführung, es ist ein sehr westlich geprägtes Land. Die Frauen in der Gesellschaft sind sehr emanzipiert, sie widmen sich sowohl der Kinderbetreuung als auch jeglichen Unternehmungen, um die Ernährung der Familie sicherzustellen. Jedoch, wage ich gleichzeitig von einer Gleichberechtigung zu sprechen, da die Durchsetzung von solchen Rechten mit starken staatlichen Institutionen gebunden ist.

0 Responses to “Weltfrauentag: Interview mit einer Haitianerin”


  • Keine Kommentare

Einen Kommentar hinterlassen