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Kann man Bildung essen?

01.06.2012

Für mehr als fünf Millionen Kinder in Lateinamerika stellt sich nicht die Frage, welche Schule sie besuchen, was ihr Lieblingsfach ist oder welchen Beruf sie später ausüben möchten. Denn diese Kinder müssen arbeiten, um zu überleben.

Keine Chance auf Bildung haben Kinder, die mit ihrer Arbeit zum Familieneinkommen beitragen müssen

Keine Chance auf Bildung haben Kinder, die mit ihrer Arbeit zum Familieneinkommen beitragen müssen

Sie arbeiten auf dem Feld, auf den Mülldeponien der Großstädte, in Fabriken, als Hausangestellte oder im Bergbau. Und noch schlimmer ist es um das Schicksal der Straßenkinder bestellt: Betteln, Autos waschen, Schuhe putzen – es ist der tägliche Kampf ums Überleben, der ihren Alltag bestimmt. Die Schule spielt im Leben dieser Kinder eine Nebenrolle. Nach Angaben der Vereinten Nationen müssen neun Prozent aller 5- bis 14-Jährigen in Lateinamerika und der Karibik Kinderarbeit leisten. Das heißt: Fast jedes zehnte Kind ist aufgrund der Armut seiner Familie gezwungen zu arbeiten.

Wie drastisch die Situation ist, spiegeln die Zahlen aus Nicaragua wider: Hier leidet die Hälfte der Bevölkerung unter Armut. 30 Prozent der Bevölkerung sind sogar von chronischer Unterernährung betroffen. Selbst in Mexiko, der zweitstärksten Volkswirtschaft Lateinamerikas, bleibt einem großen Teil der Kinder eine solide Ausbildung verwehrt. Denn mehr als ein Drittel der Mexikaner lebt unter der Armutsgrenze. Schule, Unterricht und Ausbildung sind hier ein Luxus, den sich wahrlich nicht jeder leisten kann.

Kinder sind der Halt der Familie

Kinder sind der Halt der Familie

Armut verhindert Bildung. Fehlende Bildung wiederum ist ursächlich für Armut verantwortlich. Und so befinden sich Millionen von Familien in Lateinamerika in einem Teufelskreis, aus dem es scheinbar kein Entrinnen gibt. Der Besuch einer kostenlosen öffentlichen Schule ist den Kindern aus armen Familien zwar theoretisch möglich, doch wenn es schon am Essen für den nächsten Tag fehlt, wer soll dann die Bücher, die Schulmaterialien oder die Transportkosten zur Schule bezahlen?

Die Stunden, die Kinder in der Schule verbringen, sind für ihre Familien zudem verlorene Arbeitszeit. Während sie im Klassenzimmer sitzen und Mathe oder Geschichte lernen, können sie keinen Beitrag zum Lebensunterhalt ihrer Familien leisten. Selbst für Familien, die nicht zu den Ärmsten der Armen zählen, wird der Schulbesuch ihrer Kinder zu einem Problem. Denn diese Familien sind darauf angewiesen, dass sich ihre Kinder tagsüber um die kleineren Geschwister kümmern, die Hausarbeit erledigen oder im eigenen Geschäft mithelfen. Ein regelmäßiger Schulbesuch und das Erledigen von Schulaufgaben treten angesichts der zahlreichen Verpflichtungen der Kinder in den Hintergrund.

Gut ausgebildete Kinder sind der Motor einer Volkswirtschaft

Gut ausgebildete Kinder sind der Motor einer Volkswirtschaft

Es ist viel Verantwortung, die auf den Schultern der Kleinen lastet. Doch die Arbeit, die sie bereits in jungen Jahren leisten, findet weder die Anerkennung der Gesellschaft noch erhöht sie ihre Chancen auf eine gute Ausbildung. Ohne qualifizierten Schulabschluss können sie keine Berufsausbildung beginnen. Vom Besuch einer Universität ganz zu schweigen. Die Kinder fristen ihr Dasein als Tagelöhner. Und auch als Erwachsene bleibt ihnen eine menschenwürdige Arbeit mit angemessener Bezahlung verwehrt.

Diese individuellen Schicksale, die sich in Lateinamerika millionenfach abspielen, sind gleichzeitig auch ein ökonomisches Problem auf Staatsebene. Denn je mehr Menschen gezwungen sind, im informellen Sektor zu arbeiten, desto mehr Steuereinnahmen gehen dem Staat verloren. Eine gute Ausbildung und qualifizierte Fachkräfte spiegeln sich hingegen positiv in der Wirtschaftsproduktivität eines Landes wider.

Bildung ist eine Investition, die sich auszahlt: Kinder, die heute zur Schule gehen und eine Ausbildung erhalten, können zwar im Moment nicht zum Unterhalt der Familie beitragen oder um ihr täglich Brot betteln. Sie werden jedoch in Zukunft ihre Familien mit ihrer eigenen Arbeit ernähren können. Bildung kann man also sehr wohl essen – und das über Generationen hinweg. Denn Bildung eröffnet der gesamten Gesellschaft die Chance auf eine nachhaltige Überwindung der Armut.

In unserem Online-Spenden-Shop www.MyGoodShop.org haben Sie die Möglichkeit, einen direkten Beitrag zur Ausbildung von Kindern in Lateinamerika zu leisten.

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Dieser Artikel wurde am 01.Juni 2012 von MStemmer geschrieben.

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